Laura und das Erbe der Windreiter: Die Berge der schlafenden Riesen

Laura und das Erbe der Windreiter: Die Berge der schlafenden Riesen

Am nächsten Morgen saß Laura in der Schule. Die Sonne schien durch das Klassenzimmerfenster und ließ ihre roten Haare leuchten. Neben ihr saß Sarah, die heimlich unter dem Tisch den Zügel von ihrem Steckenpferd Amira streichelte. Laura blätterte in ihrem Matheheft. Das gezeichnete Burg-Portal von gestern Abend war noch da, und wenn sie ganz genau hinsah, glaubte sie, einen kleinen Zahlen-Drachen zwinkern zu sehen.

Plötzlich tippte ihr jemand auf die Schulter. Es war Leo. Leo saß meistens still in der letzten Reihe und baute aus Radiergummis und Stiften komplizierte Türme. Er war ein bisschen schüchtern, aber er hatte Augen, die immer alles genau beobachteten.

„Dein Stift“, flüsterte Leo und deutete auf Lauras McNeill Ghost Pen, der friedlich im Etui lag. „Er summt.“

Laura riss die Augen auf. „Du kannst das hören?“

Leo nickte zögerlich. Er griff in seine Hosentasche und zog einen alten, gelben Zollstock aus Holz heraus. „Mein Zollstock vibriert seit heute Morgen. Und als ich mich neben dich gestellt habe, wurde es stärker. Schau mal.“ Er klappte ein Glied des Zollstocks aus. Das Holz schimmerte plötzlich ganz leicht in einem warmen Goldton, genau wie die Tinte auf Lauras magischer Landkarte.

Laura und das Erbe der Windreiter: Die Berge der schlafenden Riesen

Leo zeigt Laura seinen leuchtenden Zollstock im Klassenzimmer.

Laura und Sarah sahen sich an. Der Flüsterwald rief nicht nur sie. Er suchte nach neuen Freunden!

Nach der Schule trafen sich Laura, Sarah und Leo auf dem Spielplatz am Rande des Waldes. Laura hatte die Karte auf einer Parkbank ausgebreitet. Der goldene Pfad leuchtete und zeigte direkt auf die Berge der schlafenden Riesen.

„Wir müssen dorthin“, erklärte Laura und erzählte Leo alles von dem Kobold, dem grauen Fleck und dem Quell der Gedanken. Leo hörte gebannt zu.

„Darf ich mitkommen?“, fragte plötzlich eine helle Stimme. Es war Mia. Mia ging in die Parallelklasse. Sie saß in einem knallroten Rollstuhl und hatte immer eine kleine Holzbahn oder ein Musikinstrument dabei. Heute hielt sie eine kleine Blockflöte in der Hand. „Ich habe euch belauscht. Entschuldigung. Aber ich liebe Abenteuer. Und mein Rollstuhl hat extra dicke Reifen, der schafft jeden Waldweg!“

Sarah lächelte. „Jeder ist willkommen, der keine Angst vor sprechenden Bäumen hat.“

Zur Probe setzte Mia ihre Flöte an die Lippen und spielte eine fröhliche, schnelle Melodie. In diesem Moment geschah etwas Unglaubliches: Die Tinte auf Lauras Karte begann im Takt der Musik zu pulsieren. Kleine, blaue Noten lösten sich vom Papier, schwebten in die Luft und flogen in Richtung des Flüsterwaldes.

 

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Die vier Freunde am Waldrand. Mias Flötenspiel lässt die Karte aufleuchten.

„Ich glaube“, sagte Laura ehrfürchtig, „die Magie hat nur auf uns vier gewartet. Lasst uns gehen!“

Sobald sie die Grenze zum Flüsterwald überquerten, veränderte sich die Welt. Das Laub unter Leos Füßen raschelte nicht, es knisterte wie Sternenstaub. Mias roter Rollstuhl glitt plötzlich lautlos über Wurzeln und Steine, als würde er über der Erde schweben.

„Amira ist bereit!“, rief Sarah, schwang sich auf ihr Steckenpferd und galoppierte voraus. Sie ritt wirklich auf dem Wind! Ihre Füße berührten kaum den Boden.

Die vier Freunde folgten dem goldenen Pfad. Je tiefer sie in den Wald kamen, desto steiler wurde der Weg. Bald standen sie vor einer gewaltigen Schlucht. Auf der anderen Seite ragten die Berge der schlafenden Riesen in den violetten Himmel. Die Riesen waren eigentlich riesige Felsen, die wie schlafende Gesichter aussahen. Aus ihren steinernen Nasen stieg ein dichter, grauer Nebel auf.

„Das ist der Schnarchnebel!“, rief Laura. „Wenn er den Wald erreicht, werden alle magischen Wesen einschlafen und ihre Fantasie verlieren.“

„Aber wie kommen wir da rüber?“, fragte Mia und blickte in die tiefe Schlucht.

Leo trat vor. Er nahm seinen alten, gelben Zollstock. „In der Schule baue ich nur kleine Brücken“, murmelte er. „Aber hier… vielleicht klappt es.“ Er klappte den Zollstock auf und legte ihn auf den Boden, in Richtung der Schlucht. Dann dachte er ganz fest an eine feste, sichere Brücke.

Der Zollstock begann zu wachsen. Er klappte sich von selbst weiter und weiter auf, das Holz wurde dick wie alte Eichenstämme, bis sich eine wunderschöne, stabile Zickzack-Brücke über den gesamten Abgrund spannte.

 

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Die Kinder überqueren die Schlucht auf der magischen Zollstock-Brücke.

„Leo, du bist ein Meisterbaumeister!“, jubelte Sarah. Gemeinsam überquerten sie sicher die Schlucht.

Auf der anderen Seite wurde es ungemütlich. Der graue Schnarchnebel war hier so dick, dass man kaum die eigene Hand vor Augen sah. Laura spürte, wie ihre Augenlider schwer wurden. Selbst Amira, das mutige Windreiter-Pferd, ließ den Kopf hängen.

„Wir dürfen nicht einschlafen!“, rief Laura und rieb sich die Augen. Sie holte ihren Ghost Pen heraus. Sie wollte Licht zeichnen, aber ihre Hand war zu müde.

„Meine Melodie wird uns wachhalten!“, rief Mia. Sie setzte die Flöte an und spielte. Es war kein sanftes Schlaflied, sondern ein feuriger, wilder Tanz. Die Töne waren so stark, dass sie wie kleine goldene Pfeile durch den Nebel zischten und ihn vertrieben. Mias Musik legte eine schützende Glocke um die vier Freunde.

 

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Mia vertreibt den Schnarchnebel mit ihrer magischen Musik.

„Danke, Mia!“, sagte Leo, der sich gerade noch das Gähnen verkneifen konnte. „Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie wir die Riesen aufwecken können.“

Sie kletterten höher, bis sie direkt vor dem Gesicht des größten Felsenriesen standen. Er hatte geschlossene Augen aus massivem Granit und einen Bart aus wildem Efeu. Bei jedem Atemzug bebte die Erde.

 

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Die Kinder stehen staunend vor dem Gesicht des schlafenden Felsenriesen.

„Wie weckt man einen Berg?“, fragte Sarah ratlos. „Wir können ja schlecht an ihm rütteln.“

Laura dachte an den Kanzler der Kritzeleien. Es geht um die Absicht hinter dem Strich, hatte sie gelernt.

„Wir müssen ihnen einen Traum geben, der so spannend ist, dass sie aufwachen wollen!“, schlug Laura vor. „Jeder von uns muss helfen.“

Sie nahm das Fläschchen mit der Essenz des Flüsterwaldes, das ihr der Kobold geschenkt hatte. Sie ließ einen Tropfen auf Leos Zollstock, einen auf Mias Flöte und einen auf Amiras Stirn fallen. Den letzten Tropfen gab sie auf die Spitze ihres Ghost Pens.

„Leo, bau uns eine Leinwand!“, rief Laura. Leo klappte seinen Zollstock auf und baute ein riesiges, leuchtendes Viereck mitten in die Luft.

„Mia, spiel den Soundtrack für unser Abenteuer!“, bat Laura. Mia begann zu spielen, und die Musik klang wie galoppierende Pferde, rauschende Wasserfälle und lachende Kinder.

„Sarah, reite den Wind und verteile die Farben!“, rief sie ihrer Freundin zu.

Dann begann Laura zu zeichnen. Sie zeichnete direkt in das Viereck, das Leo gebaut hatte. Sie malte fliegende Drachen, riesige Sandburgen, Ozeane aus Limonade und Raumschiffe. Sarah ritt auf Amira durch die Linien und wirbelte die magische Tinte so auf, dass sie den gesamten Himmel über den Riesen erleuchtete.

 

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Das große magische Feuerwerk, mit dem die Kinder den Riesen wecken.

Die Magie der vier Freunde vermischte sich zu einem Feuerwerk der Fantasie. Das Licht strahlte hell auf die geschlossenen Augen des größten Riesen.

Plötzlich hörte das tiefe Schnarchen auf. Ein lautes Knirschen ging durch den Berg. Gestein bröckelte, und langsam, ganz langsam, öffnete der Riese ein riesiges, moosgrünes Auge.

„Huch?“, brummte eine Stimme, die klang wie grollender Donner. „Was für ein herrliches Spektakel!“

Der Riese blinzelte. Durch sein Erwachen löste sich der restliche Schnarchnebel sofort auf. Auch die anderen Berge begannen sich zu recken und zu strecken. Der Flüsterwald erstrahlte in einem klareren Licht als je zuvor.

 

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Der Riese öffnet sein Auge und erwacht.

„Wir haben ewig geschlafen“, brummte der Riese und lächelte sanft, was ein kleines Erdbeben auslöste. „Wir hatten vergessen, wie bunt die Welt ist. Danke, kleine Wächter.“

Laura, Sarah, Leo und Mia strahlten sich an. Sie hatten es geschafft. Als sie den Heimweg antraten, begleitete sie ein warmer Wind. Mias Rollstuhl summte leise, Leos Zollstock steckte stolz in seiner Tasche, Sarah tätschelte Amiras Mähne und Laura hielt ihren Ghost Pen fest umklammert.

Als sie wieder auf dem Spielplatz standen, war es später Nachmittag.

„Das war das beste Abenteuer aller Zeiten“, sagte Leo leise.

Mia nickte und verstaute ihre Flöte. „Und ich wette, es war nicht das letzte.“

Laura blickte auf ihre Karte. Der goldene Pfad zu den Riesen war verschwunden, aber in der Ecke der Karte, dort wo das Meer der vergessenen Träume lag, begann ganz schwach ein neues, silbernes Licht zu blinken.

Sie lächelte. Schule, Hausaufgaben und Alltag waren wichtig, aber sie wusste jetzt: Solange sie zusammenhielten, würde die Magie niemals versiegen.

 

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Die Freunde auf dem Spielplatz entdecken ein neues Licht auf der Karte.

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