Laura 2: Die Allianz der Fantasie!

Die Allianz der Fantasie!

Am nächsten Morgen erwachte Laura nicht von Sonnenstrahlen, die sie kitzelten, sondern von einem Gefühl der Unruhe, das wie ein schwerer Kieselstein in ihrem Magen lag. Ihre roten Haare standen noch wilder als sonst in alle Himmelsrichtungen ab, ein wahres Feuerwerk der Verwirrung auf ihrem Kopfkissen.

Noch im Schlafanzug tapste sie zu ihrem Schreibtisch. Dort lag er, sicher verstaut neben dem Federmäppchen: ihr Rucksack. Mit klammen Fingern öffnete sie ihn und zog die magische Landkarte heraus, die sie am Vortag im Flüsterwald gezeichnet hatte. Sie erwartete, das vertraute „Königreich des Lachens“ und die „Ebene der ungebändigten Hengste“ zu sehen, gezeichnet mit der beruhigenden blauen Geltinte ihres McNeill Ghost Pens.

Doch etwas stimmte nicht.

Laura rieb sich die Augen. Vielleicht war es nur die morgendliche Müdigkeit. Sie schaute genauer hin. Dort, genau an der Grenze zwischen dem Spielplatz und dem Wald, wo die großen Eichen ihre Schatten warfen, war ein neuer Fleck auf der Karte. Er war nicht blau. Er war dunkelgrau, fast schwarz, und sah aus wie eine kleine, wirbelnde Gewitterwolke, die jemand mit einem sehr groben Bleistift dort hingekritzelt hatte.

Laura runzelte die Stirn. Sie konnte sich nicht erinnern, diese Wolke gemalt zu haben. Ihr Dinosaurier-Stift malte nur in leuchtendem Blau. Vorsichtig berührte sie das Papier. Die Stelle fühlte sich seltsam kalt an, ganz anders als das warme, glatte Papier ringsherum.

„Kein Problem“, murmelte Laura zu sich selbst und griff nach ihrem Zauberstab – dem Ghost Pen. Sie drehte ihn um, setzte die magische Radierkappe an und begann, über die graue Wolke zu reiben. Sie rieb fester. Und noch fester, bis das Papier gefährlich dünn wurde und drohte zu reißen.

Die Reibungswärme entstand, das spürte sie. Aber die graue Wolke dachte gar nicht daran zu verschwinden. Sie schien sich eher noch tiefer ins Papier zu fressen, als würde sie sich festklammern.

 

Laura 2: Die Allianz der Fantasie!

Ein Schauer lief Laura über den Rücken. Ein Fehler, den man mit dem magischen Stift nicht korrigieren konnte? Das hatte es noch nie gegeben. In Lauras Welt bedeutete das: Die Magie war gestört. Irgendetwas im Flüsterwald war aus dem Gleichgewicht geraten.

Sie musste sich beeilen. Die Schule wartete, aber das wahre Abenteuer hatte gerade erst begonnen. Sie faltete die Karte hastig zusammen, steckte den Stift ein und zog sich an. Die rote Mähne wurde nur notdürftig gebändigt. Heute war keine Zeit für Eitelkeiten, heute war ein Tag für Heldenmut.

Kapitel 2: Mathematik und andere Störungen

Der Schulweg war eine Qual. Die Pflastersteine auf dem Gehweg, die sonst Lavaströme waren, über die man springen musste, waren heute nur graue, langweilige Steine. Laura konnte an nichts anderes denken als an den grauen Fleck auf ihrer Karte.

Im Klassenzimmer roch es nach nassem Schwamm und Kreidestaub. Herr Lehmann stand bereits an der Tafel und zeichnete geometrische Formen, die aussahen wie Gefängnisgitter für Zahlen. Laura ließ sich auf ihren Stuhl sinken.

„Also, Klasse 4b“, begann Herr Lehmann mit seiner tiefen, ruhigen Stimme. „Heute beschäftigen wir uns mit dem Umfang von Rechtecken.“

Laura holte ihr Matheheft und den Ghost Pen heraus. Normalerweise war dieser Stift ihr Verbündeter gegen die Langeweile. Wenn Herr Lehmann nicht hinsah, zeichnete sie kleine Raketen an den Heftrand, die die langweiligen Zahlen ins Weltall schossen, und radierte sie weg, bevor jemand etwas merkte.

Doch heute gehorchte der Stift ihr nicht. Als sie versuchte, das Datum oben auf die Seite zu schreiben, stotterte die Tinte. Laura seufzte. Den Rest der Stunde verbrachte Laura damit, nervös auf ihrem Stift herumzukauen. Jedes Mal, wenn sie versuchte, sich auf den Umfang eines Rechtecks zu konzentrieren, schob sich das Bild der grauen Wolke auf ihrer Landkarte vor ihr inneres Auge.

Als endlich, endlich die Schulglocke läutete, war Laura die Erste, die ihre Sachen packte. Sie stopfte das Matheheft achtlos in den Ranzen. Das Rechteck musste warten. Das Rätsel nicht.

Kapitel 3: Schatten über dem Königreich des Lachens

Laura rannte. Ihre roten Haare wehten wie eine Fahne im Wind hinter ihr her. Ihr Ziel war klar: der Spielplatz am Waldrand.

Als sie dort ankam, wirkte die Szenerie auf den ersten Blick normal. Kinder schaukelten, im Sandkasten wurde gebaut. Aber für Laura, deren Sinne für das Magische geschärft waren, lag eine merkwürdige Spannung in der Luft. Die Farben des Spielplatzes wirkten ein wenig blasser.

Sie blickte hinüber zur „Ebene der ungebändigten Hengste“, der großen Wiese. Die Hobby-Horse-Mädchen waren auch heute da, aber sie trainierten nicht mit ihrer üblichen Leichtigkeit. Ein Mädchen versuchte immer wieder, über ein Hindernis zu springen, riss aber jedes Mal die Stange. Die anderen standen in einer Gruppe zusammen und tuschelten mit besorgten Gesichtern, ihre Steckenpferde achtlos unter die Arme geklemmt.

Laura erkannte das Mädchen, dem sie gestern zugewinkt hatte. Sie hieß Sarah und hatte das Pferd mit den braunen Flecken. Sarahs Schultern hingen herab, und sie wirkte traurig.

Einen Moment lang zögerte Laura. Sollte sie zu den Mädchen gehen? Aber der Ruf des Waldes war stärker. Sie musste wissen, was dort vor sich ging. Sie umrundete die Seilbahn und stand vor der unsichtbaren Grenze zum Flüsterwald.

 

Laura 2: Die Allianz der Fantasie!

Heute wirkte der Wald nicht einladend. Die hohen Eichen schienen sich dichter aneinanderzudrängen, als wollten sie den Eingang versperren. Das dichte Blätterdach ließ kaum Licht durch, und der Waldweg vor ihr lag in tiefem Halbschatten.

Laura atmete tief durch. „Mut“, flüsterte sie sich zu. Sie umklammerte den Trageriemen ihres Rucksacks wie einen Rettungsanker. Dann machte sie den ersten Schritt hinein in die Dunkelheit.

Kapitel 4: Das Herz der Finsternis

Kaum hatte sie die Grenze überschritten, war der Lärm des Spielplatzes wie abgeschnitten. Es war eine lauernde Stille. Laura tastete sich vorwärts. Die Schatten zwischen den Bäumen waren länger und tiefer, und manchmal glaubte Laura, aus den Augenwinkeln Bewegungen zu sehen.

Sie erreichte die kleine Lichtung mit den drei alten Eichen. Doch ihr gemütliches „Wohnzimmer“ hatte sich verändert.

Der flache, bemooste Stein, der ihr Schreibtisch war, war nicht mehr leer. Mitten auf dem Stein lag etwas, das dort nicht hingehörte. Es war ein alter, verwitterter Handschuh. Ein einzelner, dunkler Lederhandschuh, viel zu groß für ein Kind, bedeckt mit Erde und Spinnweben.

Laura spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dieser Handschuh strahlte eine Kälte aus, die sie bis in die Knochen spürte. Und genau über diesem Handschuh, in der Luft schwebend, waberte ein leichter, grauer Nebel. Er sah exakt so aus wie die Wolke auf ihrer Landkarte.

 

Laura 2: Die Allianz der Fantasie!

Mit zitternden Händen zog Laura ihren Rucksack nach vorne und holte die Karte heraus. Der Handschuh war ein Eindringling im Flüsterwald, etwas Fremdes, das die Magie störte. Er war ein Anker der Traurigkeit.

Laura nahm ihren Ghost Pen. Sie näherte sich dem Stein. Plötzlich hörte sie hinter sich ein Knacken. Laura wirbelte herum. Im Schatten der Bäume stand Sarah, das Mädchen mit dem Hobby Horse.

Kapitel 5: Die Allianz der Fantasie

Laura erklärte Sarah, was los war. Dass der Handschuh den Wald und den Spielplatz krank machte. Sarah verstand.

Laura nahm ihre Karte. „Schau.“ Sie zeigte Sarah den grauen Fleck. Anstatt die Radierkappe zu benutzen, nahm Laura die Schreibspitze. Mit fester Hand begann sie, direkt in die graue Wolke auf dem Papier zu zeichnen. Sie malte blaue Linien, die sich um das Grau wickelten.

„Ich baue ein Gehege“, erklärte Laura, während sie zeichnete. „Wir sperren die graue Wolke ein. Und dann…“ Sie zeichnete kleine, blaue Blumen, die auf dem Gehege wuchsen.

Sarah kniete sich neben Laura. „Lass mich helfen“, sagte sie plötzlich. Sie legte ihr Steckenpferd, Amira, sanft auf das Moos. „Amira ist sehr mutig. Sie kann Wache halten, damit der Nebel nicht abhaut, während du zeichnest.“

Während Sarah ihrem Pferd Anweisungen zuflüsterte, Wache zu halten, zeichnete Laura weiter. Sie verwandelte den grauen Fleck auf dem Papier in einen kleinen, blauen Hügel, auf dem Blumen blühten.

Als sie den letzten Strich zog, passierte es. Ein Windstoß fegte durch die Lichtung. Der graue Nebel über dem echten Handschuh wirbelte wild herum – und löste sich dann auf. Die Luft wurde sofort wärmer und ein Sonnenstrahl brach durch das Blätterdach.

 

Laura 2: Die Allianz der Fantasie!

Laura und Sarah sahen sich an und begannen gleichzeitig zu kichern. Die Anspannung fiel von ihnen ab. „Wir haben es geschafft“, sagte Laura.

Laura nahm vorsichtig den alten Handschuh mit zwei Stöckchen hoch, um ihn wegzubringen. Als sie gemeinsam aus dem Wald traten, war der Unterschied sofort zu spüren. Der Spielplatz leuchtete wieder in warmen Farben.

Laura setzte sich auf den Rand des Sandkastens. Sie holte ihre Karte heraus. Der graue Fleck war weg. Stattdessen war dort nun ein kleiner, blauer Hügel mit Blumen eingezeichnet. Sie strich zufrieden über das Papier. Der McNeill Ghost Pen hatte seine Magie zurück.

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